Am 15. Mai 2026 fotografierte Cristina Krippahl auf der Gleueler Wiese ein Männchen der Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens). Inzwischen konnte dort auch ein Weibchen beobachtet und fotografiert werden – ein besonders schöner Hinweis darauf, dass die Art die Wiese nicht nur auf ihren rasanten Suchflügen nutzt, sondern hier offenbar einen passenden Lebensraum findet.
Ihren Namen verdankt diese Wildbiene gleich zwei Besonderheiten: der Hauptflugzeit im Mai – und den auffallend langen Fühlern der Männchen. Diese sind fast so lang wie ihr gesamter, pelzig-brauner Körper und machen die männlichen Tiere unverwechselbar. Die Weibchen tragen keine so langen Fühler, sind aber für den Fortbestand der Art entscheidend: Sie sammeln den Pollen, mit dem später die Brut versorgt wird.
In Nordrhein-Westfalen steht die Mai-Langhornbiene auf der Roten Liste in Kategorie 3: gefährdet. Dies zeigt, wie wichtig geeignete Lebensräume im dicht bebauten Kölner Stadtgebiet sind.
Gerade im Mai lässt sich auf der Gleueler Wiese, wenn man genau hinschaut, ein kleines Naturwunder beobachten: Die Männchen fliegen in rasantem Tempo entlang ihrer bevorzugten Futterpflanzen, immer auf der Suche nach einem Weibchen. Wird eines gefunden, geht alles sehr schnell – auch die Paarung ist bei dieser Art eine eher stürmische Angelegenheit.
Die Mai-Langhornbiene und die Gleueler Wiese bilden dabei ein perfektes Team. Denn diese Wildbiene ist eine ausgesprochene Nahrungsspezialistin: Die Weibchen sammeln den Pollen für ihre Brut fast ausschließlich an Schmetterlingsblütlern – allen voran an der Zaun-Wicke (Vicia sepium). Genau solche Pflanzen findet man auf artenreichen Wiesen wie der Gleueler Wiese noch in ausreichender Menge.
Doch damit nicht genug: Zusätzlich benötigt die Mai-Langhornbiene offene, lehmige Bodenstellen, in denen sie ihre unterirdischen Nester anlegen kann. Sie braucht also beides: die passenden Blüten – und den passenden Boden.
Ein zu frühes oder zu häufiges Mähen der gesamten Wiese sollte deshalb vermieden werden. Wird die Zaun-Wicke vor oder während der Flugzeit entfernt, verliert die Biene eine zentrale Nahrungsgrundlage für ihre Brut. Auch eine vollständige Mahd der gesamten Fläche auf einmal wäre problematisch, weil damit Blütenangebot, Deckung und Struktur schlagartig verschwinden.
Die Mai-Langhornbiene ist damit mehr als nur ein hübscher Fund. Sie ist ein lebender Hinweis darauf, wie wichtig der Schutz und die behutsame Pflege der Gleueler Wiese für die urbane Biodiversität in Köln sind.
Wer die Gleueler Wiese erhält, erhält nicht nur eine Grünfläche. Er erhält Lebensräume, Nahrungsketten, Nistplätze – und kleine Naturwunder wie die Mai-Langhornbiene.


